
Roquebrun – das kleine Nizza des Languedoc
Von Béziers unternehmen wir einen Abstecher ins Tal des Orb nach Roquebrun.
Das malerische Dorf schmiegt sich an einen Berghang und wird wegen seines besonders milden Klimas gerne als das „kleine Nizza“ bezeichnet.
Enge Gassen, alte Steinhäuser, Palmen und mediterrane Pflanzen verleihen dem Ort einen ganz besonderen Charme. Sogar Mimosen und Kakteen gedeihen hier prächtig.
Sehenswert ist der mediterrane Garten oberhalb des Dorfes. Unten am Orb kann man wunderbar entspannen oder eine kleine Kanutour unternehmen.
Roquebrun ist einer dieser Orte, an denen man eigentlich nur kurz anhalten möchte – und dann doch viel länger bleibt.

Narbonne – Kathedrale, Gartenidylle und französische Lebensfreude
Narbonne gehört für mich zu den schönsten Überraschungen dieser Reise.
Die mächtige Kathedrale Saint-Just-et-Saint-Pasteur ist schon von außen ein beeindruckender Anblick. Ihre hohen gotischen Mauern, Strebebögen und Türme lassen erahnen, welche Bedeutung Narbonne im Mittelalter hatte. Besonders interessant ist, dass die Kathedrale niemals vollständig fertiggestellt wurde. Der gewaltige Chor steht noch heute ohne das ursprünglich geplante Langhaus da.
Gemeinsam mit dem Erzbischöflichen Palast und dem gotischen Kreuzgang bildet die Kathedrale ein großartiges historisches Ensemble.
Ein besonders schöner Ort ist der Jardin de l’Archevêché, der Garten des ehemaligen Erzbischofspalastes direkt neben der Kathedrale.
Hinter den mächtigen Mauern öffnet sich überraschend eine grüne Oase mitten in der Stadt. Der gepflegte Garten ist im französischen Stil angelegt, mit geometrischen Beeten, mediterranen Pflanzen, Zitrusbäumen und herrlichen alten Zedern.
Besonders hübsch ist der ungewöhnliche Sonnenuhr-Brunnen, der zugleich ein kleines Kunstwerk ist. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die mächtigen Mauern und Türme des Erzbischofspalastes sowie die gotischen Bauteile der Kathedrale.
Der Garten wurde bereits im frühen 17. Jahrhundert auf dem Gelände ehemaliger Befestigungsgräben angelegt. So begegnen sich hier römische Stadtgeschichte, mittelalterliche Architektur und französische Gartenkunst.
Ein kleiner Überraschungseffekt wartet auf der angrenzenden Terrasse: Dort steht eine riesige Bank des Künstlers Lilian Bourgeat. Auf einmal fühlt man sich neben diesem überdimensionierten Möbelstück selbst ganz klein – ein herrlich humorvoller Kontrast zur ehrwürdigen Umgebung.



Für uns ist dieser Garten einer der schönsten Plätze Narbonnes. Während draußen das Stadtleben pulsiert, kann man hier wunderbar verweilen und die besondere Atmosphäre genießen.
Anschließend geht es durch die Altstadt zum Canal de la Robine, dessen Ufer mit ihren Brücken und Straßencafés zum Flanieren einladen.
Das eigentliche kulinarische Highlight sind aber die Halles de Narbonne, die historische Markthalle.
Hier herrscht schon am Vormittag eine herrliche Atmosphäre. An den Ständen gibt es fangfrischen Fisch, Austern, Käse, Wurstwaren und natürlich guten Wein. Dazwischen sitzen Einheimische an den Theken, plaudern und genießen das Leben.
Besonders interessant ist das Comptoir des Halles. Hier kann man frische Produkte direkt vor Ort zubereiten lassen. Wer einen Fisch an einem der Marktstände kauft und ihn anschließend grillen lassen möchte, sollte vorher nachfragen, ob dies möglich ist. Gerade dieses unkomplizierte Zusammenspiel von Markteinkauf und Gastronomie macht den Reiz der Hallen aus.
Gruissan – ein Besuch beim Filmstar Pierre Richard
Von Narbonne lohnt sich ein Abstecher ans Mittelmeer nach Gruissan.
Hier liegen nicht nur wunderschöne Strände, sondern auch das Weingut von Pierre Richard.
Der aus Filmen wie Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh bekannte Schauspieler ist seit vielen Jahren leidenschaftlicher Winzer. Auf der Île Saint-Martin bei Gruissan betreibt er das Domaine de l’Évêque mit seinen Weinbergen und dem Château Bel Évêque.
Hier entstehen unter anderem charaktervolle Rot- und Roséweine aus der Region Corbières.
Im Weingut kann man die Weine verkosten und kaufen. Mit etwas Glück begegnet man sogar Pierre Richard persönlich, der sich regelmäßig dort aufhält.



Albi – die rote Stadt am Tarn
Albi ist einer der Höhepunkte unserer Rundreise.
Schon von Weitem beeindruckt die gewaltige Kathedrale Sainte-Cécile aus rotem Backstein. Gemeinsam mit der historischen Altstadt gehört sie zum UNESCO-Welterbe.
Besonders schön sind die alten Gassen, die Brücken über den Tarn und die Gärten des Palais de la Berbie.
Hier wurde auch der Maler Henri de Toulouse-Lautrec geboren. Das ihm gewidmete Museum im ehemaligen Bischofspalast ist unbedingt einen Besuch wert.
Saint-Guilhem-le-Désert – ein mittelalterliches Märchendorf
Auf dem Weg nach Montpellier machen wir einen Abstecher nach Saint-Guilhem-le-Désert, einem der schönsten Dörfer Frankreichs.
Eingebettet zwischen mächtigen Kalksteinfelsen liegt der kleine mittelalterliche Ort in einer beeindruckenden Landschaft. Schmale Gassen, uralte Steinhäuser, kleine Kunsthandwerksläden und gemütliche Cafés versetzen uns zurück in vergangene Jahrhunderte.
Mittelpunkt des Dorfes ist die romanische Abtei von Gellone, die bereits im Jahr 804 gegründet wurde und zum UNESCO-Welterbe der Jakobswege in Frankreich gehört.
Besonders schön ist der kleine Dorfplatz mit seiner mächtigen Platane. Hier sollte man unbedingt eine Pause einlegen und die Atmosphäre genießen.
Allerdings hat die Schönheit des Ortes einen kleinen Nachteil: Saint-Guilhem-le-Désert ist längst kein Geheimtipp mehr!
Gerade in den Sommermonaten und an Wochenenden strömen zahlreiche Besucher in das kleine Dorf. Die engen Gassen sind dann oft überfüllt, und auch die Parkplätze können schnell knapp werden.
Unser dringender Tipp: Möglichst früh am Morgen kommen! Am besten ist man schon gegen 8 oder 9 Uhr dort. Dann kann man noch relativ ungestört durch die Gassen schlendern, die besondere Stimmung genießen und schöne Fotos machen, bevor die großen Besucherströme eintreffen.
Ganz in der Nähe warten außerdem die mittelalterliche Pont du Diable, die Teufelsbrücke über den Hérault, und die beeindruckende Tropfsteinhöhle Grotte de Clamouse.



Weiter geht es ins Landesinnere nach Limoux.
Das gemütliche Städtchen an der Aude ist vor allem für seine Blanquette de Limoux bekannt, einen traditionellen Schaumwein, dessen Geschichte weit zurückreicht.
Das Herz der Stadt schlägt auf der Place de la République. Der schöne Platz mit seinen Arkadengängen, alten Fassaden und dem Brunnen in der Mitte versprüht eine wunderbar entspannte südfranzösische Atmosphäre. Hier trifft man sich auf einen Kaffee, zum Plaudern oder auf ein Glas Blanquette.
Unser Restauranttipp ist das italienische La Bellavita direkt an der Place de la République. Hier lässt es sich wunderbar sitzen, das Treiben auf dem Platz beobachten und bei italienischen Spezialitäten den Tag genießen. Neben Pizza bietet die Küche auch andere italienische Gerichte. Gerade die entspannte Atmosphäre mitten im Herzen von Limoux macht das Restaurant zu einer schönen Adresse für einen gemütlichen Abend.
Eine echte Überraschung ist das Musée Petiet, das kleine Kunstmuseum von Limoux.
Es befindet sich im ehemaligen Maleratelier der Familie Petiet und besitzt eine bemerkenswerte Sammlung französischer Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt steht die Malerin Marie Petiet, die mit ihren fein beobachteten Alltagsszenen und Porträts beeindruckt. Besonders bekannt ist ihr Gemälde Les Blanchisseuses, das Wäscherinnen bei ihrer Arbeit zeigt. Gerade diese scheinbar einfachen Szenen vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Leben vergangener Zeiten.
Auch Werke ihres Mannes Étienne Dujardin-Beaumetz sind zu sehen. Seine Gemälde beschäftigen sich unter anderem mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.
Ein weiterer Höhepunkt sind die Bilder von Achille Laugé, einem Künstler aus der Region, der sich mit dem Pointillismus beschäftigte. Seine Landschaften und Stillleben bestehen aus vielen kleinen Farbtupfern, die sich erst beim Betrachten zu einem Gesamtbild verbinden. Das Licht Südfrankreichs spielt dabei eine besonders schöne Rolle.
Das Museum ist angenehm überschaubar und besitzt eine persönliche Atmosphäre. Statt durch endlose Säle zu laufen, kann man die Bilder hier ganz in Ruhe betrachten. Für Kunstfreunde ist das Musée Petiet ein echter Geheimtipp.
Wer genügend Zeit hat, sollte außerdem einen Abstecher nach Carcassonne einplanen. Die gewaltige mittelalterliche Festungsstadt gehört zu den eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs.


Zum Abschluss unserer Rundreise geht es nach Montpellier.
Die Universitätsstadt verbindet mittelalterliche Gassen, elegante Plätze und moderne Architektur mit einer ausgesprochen lebendigen Atmosphäre.
Rund um die Place de la Comédie pulsiert das Leben. Kleine Boutiquen, gemütliche Restaurants und Straßencafés laden zum Bummeln und Verweilen ein.
Besonders sehenswert sind die Promenade du Peyrou mit ihrem Triumphbogen und die Kathedrale Saint-Pierre.
Restauranttipp: L’Artichaut ist eine schöne Adresse für moderne französische Küche und wurde mit einem Michelin Bib Gourmand ausgezeichnet.
Von Montpellier ist es schließlich nicht mehr weit zurück nach Nîmes, wo sich unsere Rundreise schließt.

