Katharina mit Parbati im Lepra-Spital Anandaban in Nepal

Was wir von Parbati lernen können

Eine junge, hübsche und quirlige Frau mit einem offenen, warmen Blick winkt mir fröhlich zu. Sie sitzt etwas abseits und scheint mich direkt zu sich zu rufen. Das überrascht mich, denn die übrigen Gäste hier in Anandaban, dem Spital der Lepra-Mission, haben sich um Markus und mich versammelt.

Auch unsere Reisegruppe ist für die Menschen vor Ort interessant. Sie möchten ein gemeinsames Foto mit uns machen. Doch die junge Frau winkt weiter und lässt nicht locker.

Ich zögere kurz und folge schließlich ihrer ungewöhnlichen Einladung. Als ich vor ihr stehe, erkenne ich sofort, warum sie nicht selbst zu mir kommen konnte.

Parbati hat keine Finger mehr. Auch ihre Füße fehlen. Die Krankheit hat tiefe Spuren an ihrem Körper hinterlassen. Und trotzdem ist diese junge Frau voller Leben. Ihre Augen strahlen und ihr Gesicht leuchtet vor Freude.

Trotz allem voller Dankbarkeit

Mit fröhlicher Stimme erzählt Parbati von der Liebe, die sie in der Klinik erfahren hat, und von der Hilfe, die ihr zuteilgeworden ist. Trotz allem, was sie durchgemacht hat, spricht sie voller Dankbarkeit.

Besonders beeindruckt mich, was Parbati trotz ihrer körperlichen Einschränkungen kann. Die junge Nepalesin strickt sehr schnell. Auch mit einem Handy kommt sie problemlos zurecht. Mit ihren Handstümpfen tippt sie flink auf dem Mobiltelefon und zeigt mir Bilder aus ihrer Heimat.

Ich muss dabei immer wieder daran denken, wie leicht wir uns im Alltag über Dinge ärgern, die eigentlich selbstverständlich erscheinen. Parbati dagegen hat vieles verloren und kann dennoch voller Freude auf das blicken, was ihr geblieben ist.

Dankbarkeit ist eine Haltung

Von Parbati können wir lernen, dass Dankbarkeit nicht unbedingt von den äußeren Umständen abhängt. Sie beginnt vielmehr mit der eigenen Haltung zum Leben.

Parbati hat einen schwierigen Weg hinter sich. Die Lepra hat ihren Körper schwer geschädigt. Trotzdem lässt sie sich nicht von ihren Einschränkungen bestimmen. Sie entwickelt Fähigkeiten, bewältigt ihren Alltag und begegnet anderen Menschen mit Offenheit und Lebensfreude.

Ihre Geschichte zeigt mir, dass selbst nach schweren und schmerzhaften Erfahrungen neue Kraft entstehen kann. Es geht nicht darum, Schwierigkeiten kleinzureden. Es geht darum, trotz aller Grenzen auch das Gute wahrzunehmen.

Ein Vorbild für uns alle

Parbati beeindruckt mich mit ihrem Mut. Sie nimmt ihre Herausforderungen an und findet Wege, mit ihrer Situation zu leben. Dabei hat sie sich ihre Lebensfreude bewahrt.

Vielleicht sollten wir uns im Alltag öfter fragen, was wir bereits haben und wofür wir dankbar sein können. Nicht jedes Problem lässt sich einfach lösen. Aber unsere Haltung dazu können wir oftmals beeinflussen.

Parbati erinnert mich daran, dass Hoffnung auch unter schwierigen Bedingungen wachsen kann. Ihre Geschichte macht Mut, das Leben nicht nur nach dem zu beurteilen, was fehlt, sondern auch nach dem, was noch möglich ist.

Parbati ist für mich ein Vorbild. Und vielleicht können wir alle ein Stück von ihrer Dankbarkeit, ihrer Zuversicht und ihrer Lebensfreude mitnehmen.

„Wo Jesus barfuss geht“

Markus und Katharina Freudiger setzen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Ärmsten der Armen ein. Rund sieben Jahre lebten sie am Rand eines Slums im indischen Kolkata. Gemeinsam haben sie zwei Kinder.

Markus Freudiger leitet heute als Geschäftsleiter die Lepra-Mission in der Schweiz und engagiert sich im Vorstand von Interaction, dem Dachverband christlicher Hilfswerke. Katharina arbeitet als Kindergärtnerin.

In ihrer Biografie „Wo Jesus barfuss geht“ erzählen sie von vielen weiteren Begegnungen mit Menschen, die trotz schwieriger Lebensumstände Hoffnung, Mut und Lebensfreude bewahren.




Friederike Lober – Redakteurin mit Herz für Bücher, Autorinnen und Autoren
Friederike Lober – Redakteurin mit Herz für Bücher, Autorinnen und Autoren

Friederike Lober – Rezensentin und Redakteurin bei TVüberregional.de

Friederike Lober schreibt Buchrezensionen, redaktionelle Beiträge und begleitet Bücher, Autorinnen, Autoren sowie ausgewählte gesellschaftliche Themen mit Feingefühl und journalistischem Blick.

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Darüber hinaus schreibt Friederike Lober Buchrezensionen und redaktionelle Beiträge für verschiedene Themenbereiche.