Jaya_Managerin von ConneXions

17-jähriges Slummädchen wird zur Schlüsselperson

Zu den größten Inspirationen in unserem Leben gehört Jaya, ausgesprochen „Joya“. Während unserer Bibelschulzeit wurde uns empfohlen, in Kolkata nach einer „Person des Friedens“ zu suchen. Diese Person fanden wir in Jaya.

Katharina lernte die damals 17-Jährige bereits in den ersten Tagen in Kolkata kennen. Sie war gerade mit Bewohnerinnen des Slums ins Gespräch gekommen, als sich plötzlich ein Teenager-Mädchen zu ihnen gesellte.

Jaya sprach gutes Englisch und erklärte Katharina, wo sie die Dinge finden konnte, die sie einkaufen wollte. Sie kannte sogar die bengalischen Begriffe dafür. Katharina wiederholte die Wörter anschließend im kleinen Laden. Tatsächlich verstand der Betreiber sofort, was gemeint war. Er suchte die Lebensmittel aus den wackeligen Regalen zusammen und packte sie in eine Tüte aus Zeitungspapier.

Die unerwartete „Person des Friedens“

Jaya wurde zu unserer Schlüsselperson im indischen Slum. Dabei war sie weder eine wohlhabende Geschäftsfrau noch eine bekannte Persönlichkeit. Sie war ein 17-jähriges hinduistisches Mädchen, das selbst im Slum lebte.

Auch die Idee für das spätere Nähatelier entstand nicht am Schreibtisch eines Professors oder Politikers. Es war eine wissbegierige, fleißige junge Frau aus dem Slum, die zu unserer „Person des Friedens“ wurde.

Schon bald sollte Jaya das Leben vieler Menschen berühren. Gemeinsam mit ihr konnten wir den Betrieb ConneXions für Frauen aus den Slums aufbauen. Gerade diese Frauen gehören zu den Menschen, die in ihrer Gesellschaft besonders wenig Anerkennung und Würde erfahren.

Gott beruft manchmal anders

Durch Jaya haben wir selbst verstanden, dass Gott Menschen manchmal ganz anders beruft, als wir es erwarten würden.

Wir hätten vielleicht nach einer einflussreichen Persönlichkeit gesucht. Stattdessen begegnete uns ein 17-jähriges Mädchen, das Wissen, Fleiß und eine besondere Offenheit mitbrachte.

Immer wieder durften wir erleben, wie Frauen, die scheinbar keine Zukunft und keine Hoffnung hatten, durch neue Möglichkeiten zu tragenden Säulen ihrer Familien wurden.

Für uns war das eine wichtige Erfahrung: Manchmal beginnt Veränderung nicht dort, wo wir sie erwarten. Sie beginnt bei einem Menschen, der bereit ist, sich einzubringen.

Aus Ausgestoßenen werden Hoffnungsträger

Durch das Engagement der Lepra-Mission sind wir auch heute eng mit dem Thema Armut verbunden. Gleichzeitig erleben wir immer wieder, wie sich das Leben von Menschen verändern kann, die zuvor ausgestoßen oder ohne Perspektive waren.

Die Geschichte von Jaya macht Mut. Sie zeigt, dass Herkunft, Alter oder gesellschaftlicher Status nicht darüber entscheiden müssen, welchen Unterschied ein Mensch machen kann.

Vielleicht übersehen wir manchmal gerade diejenigen, die etwas bewegen könnten, weil wir nicht mit ihnen rechnen. Jaya erinnert uns daran, genauer hinzusehen und Menschen etwas zuzutrauen.

Jeder Mensch kann etwas verändern

Jaya war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie zu einer wichtigen Wegbegleiterin wurde. Aus einem ersten Gespräch entstand Vertrauen. Aus Vertrauen entstand Zusammenarbeit. Und daraus entwickelte sich ein Projekt, das bis heute besteht.

Diese Geschichte macht deutlich: Jeder Mensch kann einen Unterschied machen. Es braucht nicht immer eine besondere Position, viel Geld oder großen Einfluss. Manchmal reicht es, aufmerksam zu sein, seine Fähigkeiten einzusetzen und den Menschen zu vertrauen, die einem begegnen.

Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Botschaften aus unseren Jahren in Kolkata: Wir sollten Menschen nicht danach beurteilen, woher sie kommen. Entscheidend ist, was in ihnen steckt und was entstehen kann, wenn man ihnen eine Chance gibt.

„Wo Jesus barfuss geht“

Markus und Katharina Freudiger setzen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Ärmsten der Armen ein. Rund sieben Jahre lebten sie am Rand eines Slums im indischen Kolkata. Gemeinsam haben sie zwei Kinder.

Markus Freudiger leitet heute als Geschäftsleiter die Lepra-Mission in der Schweiz und engagiert sich im Vorstand von Interaction, dem Dachverband christlicher Hilfswerke. Katharina arbeitet als Kindergärtnerin.

In ihrer Biografie „Wo Jesus barfuss geht“ schildern sie viele weitere Begegnungen, die zeigen, wie aus scheinbar kleinen Begegnungen große Veränderungen entstehen können.




Friederike Lober – Redakteurin mit Herz für Bücher, Autorinnen und Autoren
Friederike Lober – Redakteurin mit Herz für Bücher, Autorinnen und Autoren

Friederike Lober – Rezensentin und Redakteurin bei TVüberregional.de

Friederike Lober schreibt Buchrezensionen, redaktionelle Beiträge und begleitet Bücher, Autorinnen, Autoren sowie ausgewählte gesellschaftliche Themen mit Feingefühl und journalistischem Blick.

E-Mail: lober.tvueberregional@gmail.com
Webseite: https://lober.tvueberregional.de/
Autorenseite: https://tvueberregional.de/author/flober/

Darüber hinaus schreibt Friederike Lober Buchrezensionen und redaktionelle Beiträge für verschiedene Themenbereiche.