Ein Bericht von Prof. Dr. Thorsten Krings
Babyn Jar in Kiew ist ein Ort, an dem die Geschichte nicht abstrakt bleibt. In der ehemaligen Schlucht ermordeten deutsche Nationalsozialisten am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen 33.771 jüdische Männer, Frauen und Kinder.
Die Opfer waren unter dem Vorwand einer Umsiedlung dorthin getrieben worden. Weitere Massenerschießungen folgten bis 1943. Heute erinnert der Ort auch an Roma, sowjetische Kriegsgefangene und weitere Opfergruppen.
Die historischen Angaben sind beim United States Holocaust Memorial Museum sowie beim Babyn Yar National Historical Memorial Preserve dokumentiert.

Ein Ort des Erinnerns
Die Gedenkstätte liegt im Nordwesten von Kiew. Wer das Gelände besucht, begegnet Denkmälern und stillen Orten, die an die Ermordeten erinnern.
Die kahlen Äste, der Nebel und die Weite des Parks standen bei meinem Besuch in einem bedrückenden Kontrast zu dem Wissen, was hier geschehen ist. Gerade diese Stille macht die Dimension der Verbrechen schwer begreifbar.


Erinnerungsorte in Kiew
Auf dem Gelände stehen mehrere Erinnerungsorte, darunter die Kristallene Klagewand von Marina Abramović und die Spiegelfeld-Installation. Sie verbinden historische Erinnerung, Kunst und die Namen der Opfer.




Niemals gleichgültig werden
Für mich ist Babyn Jar ein eindringlicher Hinweis darauf, wie schnell aus Ausgrenzung, Hass und Sprache Gewalt werden kann. Erinnerung ist deshalb keine Angelegenheit der Vergangenheit, sondern eine dauerhafte Verantwortung.
Antisemitismus und Rassismus müssen in jeder Form entschieden zurückgewiesen werden. Das gilt unabhängig davon, von wem sie ausgehen und wie sie begründet werden.
Prof. Dr. Thorsten Krings
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