Bergamo Città Alta: Die Piazza Vecchia als Herz der Oberstadt

Reiseserie Lombardei: Wer Bergamo zum ersten Mal besucht, entdeckt eine norditalienische Stadt, die sich ihren eigenen Charakter bewahrt hat. Hoch über der modernen Unterstadt liegt die historische Città Alta – ein dichtes Geflecht aus steinernen Gassen, mittelalterlichen Gebäuden, kleinen Geschäften, Cafés und Plätzen, auf denen die Geschichte bis heute sichtbar geblieben ist.

Ein Reisebeitrag von Prof. Dr. Thorsten Krings – redaktionell bearbeitet für TVüberregional.

Bergamo Città Alta: Die Piazza Vecchia als Herz der Oberstadt

Die Oberstadt beginnt mit einem besonderen Aufstieg

Bergamo besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen. Die Città Bassa bildet die elegante und lebendige Unterstadt. Über ihr erhebt sich die historische Città Alta, die von einer mächtigen Stadtmauer aus venezianischer Zeit umgeben wird.

Schon der Weg nach oben gehört zum Erlebnis. Die Oberstadt lässt sich zu Fuß, mit dem Auto oder besonders stimmungsvoll mit der Standseilbahn erreichen. Oben angekommen, führen alte Stadttore in eine Welt, in der sich viele Jahrhunderte italienischer Geschichte auf engem Raum begegnen.

An Fassaden, Toren und öffentlichen Gebäuden findet sich immer wieder der geflügelte Markuslöwe. Er erinnert daran, dass Bergamo über Jahrhunderte zur Republik Venedig gehörte. Die venezianische Vergangenheit prägt bis heute das Erscheinungsbild der Oberstadt.

Piazza Vecchia – das Wohnzimmer Bergamos

Das Zentrum der Città Alta ist die Piazza Vecchia. Der Platz war über Jahrhunderte der politische Mittelpunkt der Stadt und ist heute zugleich Treffpunkt, Bühne und öffentliches Wohnzimmer Bergamos.

Die Gebäude rund um den Platz bilden ein eindrucksvolles Ensemble. Ihre unterschiedlichen Fassaden, Arkaden, Fenster und Türme scheinen sich zu einem gemeinsamen Bild zusammenzufügen. Trotz seiner historischen Bedeutung wirkt der Platz nicht wie ein abgeschlossenes Museum. Einheimische und Besucher sitzen in den Cafés, unterhalten sich, trinken einen Espresso oder beobachten das Geschehen.

Der berühmte Architekt Le Corbusier soll von der Harmonie des Platzes so beeindruckt gewesen sein, dass er sinngemäß erklärte, man dürfe hier keinen Stein mehr verändern.

Der Palazzo della Ragione

Zu den wichtigsten Gebäuden an der Piazza Vecchia gehört der Palazzo della Ragione. Seine Ursprünge reichen bis in das späte 12. Jahrhundert zurück. Er gilt als eines der ältesten erhaltenen kommunalen Gebäude Italiens und erinnert an die Zeit, in der sich die Städte Norditaliens zunehmend selbst verwalteten.

Die offenen Arkaden im Erdgeschoss verbinden die Piazza Vecchia mit der dahinterliegenden Piazza Duomo. Dieser Durchgang ist nicht nur architektonisch reizvoll. Er führt innerhalb weniger Schritte vom einstigen politischen Zentrum zum religiösen Mittelpunkt der Oberstadt.

Unter den Arkaden herrscht besonders im Sommer eine lebendige Atmosphäre. Straßenmusiker nutzen die besondere Akustik, Besucher bleiben stehen und durch die Durchgänge öffnen sich immer neue Perspektiven auf die umliegenden Bauwerke.

Zum Ensemble gehört auch der Stadtturm, der als Campanone bekannt ist. Eine alte Tradition erinnert bis heute an die Zeit, als die Stadttore am Abend geschlossen wurden: Um 22 Uhr erklingen zahlreiche Glockenschläge über den Dächern der Città Alta.

 

Der Contarini-Brunnen im Mittelpunkt

In der Mitte der Piazza Vecchia steht der Contarini-Brunnen. Das achteckige Bauwerk aus hellem Marmor wurde der Stadt im Jahr 1780 vom damaligen venezianischen Stadtoberhaupt Alvise Contarini gestiftet.

Der Brunnen war nicht nur zur Verschönerung des Platzes gedacht. Er diente ursprünglich auch der Wasserversorgung und sollte in Zeiten der Trockenheit helfen. Sphinxe, Löwen und weitere Figuren schmücken die Anlage und verleihen ihr ein beinahe märchenhaftes Erscheinungsbild.

Zeitweise musste der Brunnen einer Garibaldi-Statue weichen. Später kehrte er an seinen historischen Standort zurück und bildet heute wieder den optischen Mittelpunkt des Platzes.

Ein Aperitivo gehört einfach dazu

Nach dem Rundgang bietet sich eine Pause auf der Piazza Vecchia an. Ein Aperol Spritz, ein Espresso oder ein italienisches Eis gehören für viele Besucher ebenso zum Platz wie seine historischen Gebäude.

Zum Aperitivo werden in Italien häufig kleine Beilagen gereicht: Oliven, Chips, Gebäck, Crostini oder Bruschetta. Aus einer einfachen Getränkepause wird damit ein kleines gesellschaftliches Ritual. Man nimmt sich Zeit, beobachtet das Treiben und lässt die besondere Atmosphäre des Platzes auf sich wirken.

Gerade darin liegt ein Teil des Charmes von Bergamo: Geschichte wird nicht hinter Absperrungen präsentiert, sondern bleibt Bestandteil des täglichen Lebens.

Warum Bergamo einen Besuch verdient

Bergamo steht häufig im Schatten des nahe gelegenen Mailand. Gerade das macht die Stadt jedoch so reizvoll. Die Città Alta wirkt überschaubar, lebendig und authentisch. Viele Sehenswürdigkeiten lassen sich zu Fuß erreichen, und hinter fast jeder Ecke öffnet sich ein neuer Blick auf Türme, Arkaden, Plätze oder die Landschaft der Lombardei.

Die Piazza Vecchia ist der ideale Ausgangspunkt, um die Oberstadt kennenzulernen. Von hier führt der Weg durch den Palazzo della Ragione unmittelbar weiter zur Piazza Duomo mit der Basilika Santa Maria Maggiore, der Colleoni-Kapelle, dem Baptisterium und der Kathedrale Sant’Alessandro.

 

 

Im zweiten Teil der Reiseserie besuchen wir den Domplatz und seine außergewöhnlichen Sakralbauten.

 

 

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