Bergamos Domplatz: Santa Maria Maggiore, Colleoni-Kapelle und Baptisterium

Reiseserie Lombardei: Nur wenige Schritte trennen die Piazza Vecchia von einem der eindrucksvollsten Plätze Bergamos. Wer unter den Arkaden des Palazzo della Ragione hindurchgeht, betritt die Piazza Duomo – den Domplatz der Oberstadt. Auf engstem Raum begegnen sich hier Romanik, Gotik, Renaissance und Barock. 

Ein Reisebeitrag Teil 2 von Prof. Dr. Thorsten Krings – redaktionell bearbeitet für TVüberregional.

 

Colleoni-Kapelle Bergamo
Colleoni-Kapelle Bergamo

Ein Platz voller Geschichte

Bevor die heutige Piazza Vecchia entstand, gehörte die Piazza Duomo zu den wichtigsten öffentlichen Orten Bergamos. Hier wurden Geschäfte abgeschlossen, Bekanntmachungen verkündet und notarielle Vorgänge geregelt.

Heute wirkt der Platz fast verborgen. Die Gebäude stehen dicht beieinander und bilden ein ungewöhnliches, leicht asymmetrisches Ensemble. Gerade diese räumliche Nähe macht seinen Reiz aus: Innerhalb weniger Schritte wechseln Fassaden, Materialien, Baustile und Jahrhunderte.

Zum Domplatz gehören die Basilika Santa Maria Maggiore, die Colleoni-Kapelle, das Baptisterium und die Kathedrale Sant’Alessandro. Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Santa Maria Maggiore ist die berühmte Basilika der Stadt. Die eigentliche Kathedrale beziehungsweise der Dom von Bergamo ist Sant’Alessandro.

 

Santa Maria Maggiore – außen streng, innen prachtvoll

Santa Maria Maggiore Bergamo
Santa Maria Maggiore Bergamo

Die Basilika Santa Maria Maggiore gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten Bergamos. Mit ihrem Bau wurde im Jahr 1137 begonnen. Nach der Überlieferung hatten die Einwohner der Stadt gelobt, der Gottesmutter eine Kirche zu errichten, wenn eine schwere Epidemie überwunden werde.

Von außen erscheint die Basilika vergleichsweise streng. Ihre romanischen Mauern lassen zunächst kaum erahnen, welche Fülle an Kunstwerken sich im Inneren verbirgt.

Beim Betreten verändert sich der Eindruck vollständig. Barocke Verzierungen, Fresken, Wandteppiche, Stuckarbeiten und kostbare Holzintarsien prägen den Innenraum. Zu den besonderen Kunstwerken gehören Intarsien nach Entwürfen des Renaissancekünstlers Lorenzo Lotto.

In der Basilika befindet sich außerdem das Grabdenkmal des Komponisten Gaetano Donizetti, eines der berühmtesten Söhne Bergamos.

 

 

Die Colleoni-Kapelle – ein Denkmal aus Marmor

Unmittelbar neben Santa Maria Maggiore erhebt sich die Colleoni-Kapelle. Ihre aufwendig gestaltete Fassade aus weißem und rötlichem Marmor hebt sich deutlich von den schlichten Steinmauern der benachbarten Basilika ab.

Die Kapelle wurde als Grab- und Gedächtnisstätte für Bartolomeo Colleoni errichtet. Der erfolgreiche Heerführer des 15. Jahrhunderts stand unter anderem im Dienst der Republik Venedig und gehörte zu den mächtigsten Persönlichkeiten seiner Zeit.

Im Inneren befindet sich sein monumentales Grabmal mit einer Reiterfigur. Auch seine früh verstorbene Tochter Medea erhielt hier eine kunstvoll gestaltete Ruhestätte.

Die Fassade wirkt beinahe wie ein steinernes Bilderbuch. Reliefs, Säulen, geometrische Muster und Skulpturen überziehen die Oberfläche. Je nach Tageszeit verändert das Licht die Wirkung der verschiedenfarbigen Marmorflächen.

 

 

Das Baptisterium und die Zahl Acht

Baptisterium Bergamo
Baptisterium Bergamo

Gegenüber den großen Sakralbauten steht das Baptisterium. Das achteckige Gebäude wirkt auf den ersten Blick beinahe wie ein eigenständiger kleiner Tempel.

Die Zahl Acht begegnet dem Besucher mehrfach: im Grundriss, in den architektonischen Gliederungen und in den Figuren, die Tugenden darstellen. Reliefs zeigen Szenen aus dem Leben Jesu.

Das Baptisterium besitzt eine ungewöhnliche Geschichte. Es wurde 1340 zunächst im Inneren von Santa Maria Maggiore errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach demontiert, versetzt und neu aufgebaut. Seinen heutigen Standort an der Westseite der Piazza Duomo erhielt es erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Im Zentrum des Innenraums befindet sich das Taufbecken. Der kleine Bau erinnert daran, dass der Domplatz nicht nur ein kunsthistorisches Ensemble, sondern bis heute ein Ort gelebten Glaubens ist.

 

 

Die Kathedrale Sant’Alessandro

Die eigentliche Kathedrale Bergamos ist Sant’Alessandro. Sie ist dem Schutzpatron der Stadt gewidmet. Der heutige Bau entstand im Wesentlichen ab dem 17. Jahrhundert, geht jedoch auf wesentlich ältere Vorgängerbauten zurück.

Im Vergleich zur spektakulären Fassade der Colleoni-Kapelle wirkt der Dom zurückhaltender. Gemeinsam mit Basilika, Kapelle und Baptisterium vervollständigt er jedoch das sakrale Zentrum der Oberstadt.

Der Domplatz zeigt eindrucksvoll, wie eng religiöse, politische und gesellschaftliche Geschichte in Bergamo miteinander verbunden sind. Die Gebäude stehen nicht isoliert nebeneinander. Sie erzählen gemeinsam von Glauben, Bürgersinn, Macht, Kunst und dem Selbstverständnis der Stadt.

Der Domplatz gehört damit zu den Orten, an denen Bergamo seine Geschichte nicht nur bewahrt, sondern sichtbar und unmittelbar erlebbar macht.

 

Bergamo Teil 03 folgt

Im dritten Teil der Reiseserie führt der Weg hinunter in Bergamos Città Bassa und in die berühmte Accademia Carrara mit ihren bedeutenden Kunstwerken.

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