
Wie funktioniert Demokratie? Wo werden politische Entscheidungen getroffen und wie können junge Menschen ihre Stadt mitgestalten? In Nürnberg sollen Schülerinnen und Schüler Antworten auf diese Fragen nicht nur im Unterricht finden. Die Stadt bietet ihnen zahlreiche Möglichkeiten, Kommunalpolitik und demokratische Beteiligung unmittelbar kennenzulernen.
Mit den verschiedenen Angeboten zur Demokratiebildung beschäftigte sich der Bildungsausschuss am Freitag, 30. Oktober 2026. Das Bildungsreferat stellte dabei vor, wie Kinder und Jugendliche aller Schularten und Altersstufen an politische Themen herangeführt und zum Mitmachen ermutigt werden können.
Das Rathaus als Lernort für Schülerinnen und Schüler
Ein erster Einblick in die Kommunalpolitik beginnt für viele Kinder mit einem Besuch im Nürnberger Rathaus. Besonders für vierte Klassen werden Führungen angeboten. Dabei erfahren die Schülerinnen und Schüler, welche Aufgaben eine Stadtverwaltung übernimmt, wie der Stadtrat arbeitet und welche Rolle der Oberbürgermeister hat.
Das Interesse an diesen Besuchen ist groß: Im vergangenen Schuljahr waren mehr als 80 Schulklassen im Rathaus zu Gast.
Auch ältere Schülerinnen und Schüler können politische Entscheidungsprozesse aus nächster Nähe kennenlernen. Beim Angebot „Wie wird Politik gemacht?“ besuchen sie auf Anfrage öffentliche Sitzungen. Vor- und Nachbesprechungen helfen dabei, die Abläufe einzuordnen. Außerdem besteht die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung ins Gespräch zu kommen.
Schülerparlamente und Demokratie-Empfang
Demokratische Beteiligung soll nicht nur erklärt, sondern praktisch erlebt werden. Deshalb dürfen Nürnberger Schülerparlamente ihre Sitzungen auch im Großen Sitzungssaal des Rathauses abhalten. Das Martin-Behaim-Gymnasium nutzt diese Möglichkeit bereits regelmäßig.
Eine weitere Gelegenheit zum Austausch bietet der Demokratie-Empfang der Nürnberger Schulen. Dort stellen junge Menschen ihre Projekte vor, lernen Initiativen anderer Schulen kennen und kommen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft ins Gespräch. Der nächste Termin ist für Dienstag, 2. Februar 2027, geplant.
Eine wichtige Stimme der Schülerschaft ist außerdem der Stadtschülerrat. In ihm vertreten Schülersprecherinnen und Schülersprecher aller Schularten die Interessen der Nürnberger Schülerinnen und Schüler. Sie tauschen sich regelmäßig mit der Bildungsreferentin aus und wirken bei städtischen Angeboten mit. Ihre Erfahrungen geben sie anschließend an andere Jugendliche weiter.
Planspiel macht Kommunalpolitik greifbar
Besonders anschaulich wird Kommunalpolitik beim Planspiel. Ältere Schülerinnen und Schüler übernehmen dabei die Rolle von Stadtratsmitgliedern. Sie bilden Fraktionen, entwickeln Anträge, diskutieren unterschiedliche Standpunkte und stimmen schließlich über Vorschläge ab.
Mitglieder des Nürnberger Stadtrats begleiten das Angebot und sprechen mit den Jugendlichen über politische Entscheidungsprozesse. So erfahren die Teilnehmenden, warum unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden müssen und weshalb Kompromisse zur Demokratie gehören.
Jährlich stehen sechs Termine zur Verfügung. Bislang haben bereits 680 Schülerinnen und Schüler an dem Planspiel teilgenommen.
Kommunalwahl und Europa im Blick
Beim Kommunalwahltag „Nürnberg wählt – und Du?“ beschäftigten sich vor der Kommunalwahl 2026 fast 250 Jugendliche ab der zehnten Jahrgangsstufe mit den Aufgaben einer Kommune und der Bedeutung von Wahlen. Gemeinsam mit dem Wahlamt wurden außerdem verschiedene Möglichkeiten politischer Beteiligung vorgestellt. Dazu gehörte auch das Engagement als Wahlhelferin oder Wahlhelfer. Das Format soll vor künftigen Wahlen erneut angeboten werden.
Auch europäische Themen stehen auf dem Programm. Beim Europatag setzen sich Schülerinnen und Schüler ab der zehnten Jahrgangsstufe mit der Europäischen Union und aktuellen politischen Fragen auseinander. Die nächste Veranstaltung ist für Mai 2027 vorgesehen.
Beim Mädchen-Zukunftstag am Montag, 8. März 2027, geht es um berufliche Perspektiven, gesellschaftliche Teilhabe und weibliche Vorbilder. Schülerinnen der achten bis elften Jahrgangsstufe können beim Speed-Dating Frauen in Führungspositionen kennenlernen und sich über unterschiedliche Berufs- und Lebenswege informieren.
Demokratieangebote für den Schulalltag
Damit Lehrkräfte die passenden Angebote leichter finden können, entwickelt das Bildungsreferat den Nürnberger Demokratiekalender und eine digitale Taskcard weiter. Dort werden Veranstaltungen, Projekte, außerschulische Lernorte und Unterrichtsmaterialien gebündelt.
Die Angebote sollen sich flexibel in den Unterricht integrieren lassen. Möglich sind kurze Impulse von etwa 15 Minuten ebenso wie umfangreichere Unterrichtseinheiten.
Bildungsreferentin Cornelia Trinkl sieht in der politischen Bildung eine wichtige Grundlage für eine lebendige Demokratie. Kinder und Jugendliche sollten politische Zusammenhänge verstehen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und selbst ausprobieren können, wie demokratische Beteiligung funktioniert.
Die Angebote der Stadt bauen deshalb aufeinander auf: Jüngere Kinder lernen zunächst demokratische Strukturen kennen. Mit zunehmendem Alter setzen sie sich intensiver mit politischen Zusammenhängen auseinander und erhalten mehr Möglichkeiten, eigene Ideen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Das Ziel ist, Demokratie während der gesamten Schulzeit erlebbar zu machen und junge Menschen darin zu bestärken, ihre Stadt aktiv mitzugestalten.
Eine Übersicht der Angebote gibt es im Demokratie-Kalender für Schulen. Weitere Informationen stellt die Stadt Nürnberg auf ihrer Internetseite bereit.

Friederike Lober
Rezensentin und Redakteurin bei TVüberregional.de
Friederike Lober schreibt Buchrezensionen, redaktionelle Beiträge und begleitet Bücher, Autorinnen, Autoren sowie ausgewählte gesellschaftliche Themen mit Feingefühl und journalistischem Blick.
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