Illustration zu Putins nützliche Idioten. Bild: Bill Sienkiewicz

Bild: © Bill Sienkiewicz

Kommentar von Prof. Dr. Thorsten Krings

Dieser Beitrag gibt die persönliche politische Einschätzung des Autors wieder.

Die psychologischen Triebkräfte hinter der Unterstützung des autoritären russischen Regimes in westlichen Gesellschaften werden in der politikpsychologischen Forschung häufig auf das Zusammenspiel von tiefsitzenden Verunsicherungen, Kompensationsbedürfnissen und bestimmten Persönlichkeitsstrukturen zurückgeführt.

Oftmals lässt sich bei den Betroffenen eine ausgeprägte Sehnsucht nach Eindeutigkeit, Stärke und einer klaren Ordnung in einer als überfordernd oder chaotisch wahrgenommenen, modernisierten Welt beobachten. Diese Personen weisen häufig Züge einer autoritären Persönlichkeit auf, die durch eine Unterwerfung unter mächtige Führungsfiguren bei gleichzeitiger Abwertung von Minderheiten oder vermeintlich Schwachen gekennzeichnet ist.

Indem sie sich mit einem vermeintlich unbesiegbaren, aggressiv auftretenden Staat und dessen Führung identifizieren, kompensieren sie eigene Ohnmachtsgefühle, mangelndes Selbstwertgefühl und die Angst vor Kontrollverlust im persönlichen Umfeld.

Ein zentrales Element dieser Dynamik ist für mich die spezifische Ikonographie rund um den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die eine stark maskulinisierte und inszenierte Körperlichkeit ins Zentrum stellt.

Die bewusste Inszenierung des nackten Oberkörpers beim Reiten, Fischen oder Jagen, die Zurschaustellung physischer Härte beim Kampfsport und die ständige Betonung von Virilität und Kameradschaftlichkeit richten sich an ein Publikum, das empfänglich für diese Projektionsfläche ist. Diese visuelle Hypermaskulinität kann zum emotionalen Anker werden und die rationale Auseinandersetzung mit geopolitischen Realitäten überlagern.

Die Anziehungskraft des Bündnisses Sahra Wagenknecht, der AfD und der Linken liegt nach meiner Auffassung für manche Menschen in populistischen Angeboten. Komplexe Krisen werden radikal vereinfacht und Schuld wird nach außen verlagert – auf etablierte Eliten, Migranten oder den Westen.

Durch diesen Opfermythos, gepaart mit einem ausgeprägten Anti-Westlerismus, entsteht eine projektive Entlastung von eigener Verantwortung. Das Angebot, sich als eingeweihte Minderheit zu verstehen und die demokratische Mehrheit abzuwerten, kann ein fragiles Selbstwertgefühl künstlich stabilisieren.

Prof. Dr. Thorsten Krings
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