Gastbeitrag von Thorsten Krings

Wir leben heute in einer Zeit, in der vieles, was lange Zeit als sicher wahrgenommen haben, der Unsicherheit weicht. Wer hätte gedacht, dass wir Mitten in Europa einen Krieg erleben würden? Sicher niemand, denn nach dem Zusammenbruch des Ostblocks glaubten viele, dass nun eine Zeit des Friedens beginnt. Die Politik begann, an der Verteidigung zu sparen und sprach von einer “Friedensdividende”. In den frühen 90er Jahren war auch ich davon überzeugt, dass nun eine Ära des Friedens beginnen würde. Doch spätestens seit 2008 war Putins Säbelrasseln so laut geworden, dass jeder, der es hätte sehen wollen, hätte erkennen müssen, dass ein Krieg an der Ostflanke der NATO droht. Dennoch wurden Bunkeranalgen rückgebaut und niemand kümmerte sich um Sirenen. Der Klimawandel hat zur Folge, dass wir immer mehr Extremwetterereignisse erleben, die existenzbedrohend sein können. Corona hat uns gezeigt, dass wir trotz moderner Technologie nicht gegen Pandemien gefeit sind. Das soll jetzt keine Schwarzmalerei sein. Bisher haben wir immer alles in den Griff bekommen. Aber kann es wirklich sein, dass es über eine Woche dauert, bis in Berlin der Strom wieder fließt? Kann es sein, dass eine Stadtverwaltung einfach sagt, dass die Bürger dann halt ins Hotel ziehen sollen? Auf eigene Kosten wohlgemerkt. Wir haben die Prävention schleifen lassen und verlassen uns darauf, dass es im Ernstfall “irgendwie” schon gehen wird. 

Ich war letztes Jahr in einem russischen Drohnenangriff in der ostukrainischen Stadt Dnipro. Es hat mich stark beeindruckt, wie professionell das Katastrophenmanagement war. Feuerwehr und Rotes Kreuz haben Hand in Hand gearbeitet. Alles war koordiniert. Die Notfallseelsorger hatten ihre Zelte außerhalb der direkten Einschlagszone aufgebaut und kümmerten sich um die Opfer. Als Feuerwehr und Rotes Kreuz die Gegend gesichert hatten, kamen die Kommandos, die die geplatzten Fensterscheiben aufsammelten und dann wurden innerhalb kürzester Zeit in drei Straßen alle kaputten Fenster mit Sperrholz oder Planen gesichert. 

Katastrophenschutz ist eine genuin kommunale Aufgabe. Aber sind die Katastrophenschutzpläne des Landes eigentlich allen in der Verwaltung bekannt? Haben alle, denen dort Aufgaben zugewiesen werden, die notwendigen Ressourcen? Wird strukturiert miteinander kommuniziert? Sind klare Abläufe für den Ernstfall definiert? Gibt es großangelegte Übungen für den Katastrophenschutz wie früher? Haben wir ausreichend Nachwuchs, um uns dauerhaft resilient gegen Katastrophen aufzustellen?

Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. In Zeiten wie diesen muss Katastrophenschutz Chefsache sein.

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