Die Galeria-Pleiten zeigen, was längst offensichtlich ist: Das klassische Kaufhaus als Besuchermagnet hat ausgedient. Besonders kleinere Städte stehen vor der Frage, wie sie ihre Innenstädte wieder attraktiver machen können.
Dabei wird häufig der falsche Ansatz verfolgt. Statt immer neue Einzelhandelskonzepte zu entwickeln, sollten wir uns eine einfache Frage stellen: Warum sollten Menschen überhaupt noch in unsere Innenstädte kommen – und vor allem dort bleiben?
Wer nur etwas kaufen möchte, bestellt heute häufig im Internet. Eine Innenstadt muss deshalb mehr bieten: Atmosphäre, Begegnung und Lebensqualität.

Andere Länder machen es vor. In Dänemark sorgen attraktive Plätze, Begrünung und Außengastronomie für Aufenthaltsqualität. Frankreich unterstützt gezielt die Belebung kleinerer Stadtzentren. In den Niederlanden werden ehemalige Verkaufsflächen kreativ umgenutzt, statt jahrelang auf neue Einzelhändler zu warten.
Und Deutschland? Hier diskutieren wir vielerorts lieber über Parkgebühren, Verkehrsberuhigung und das nächste Innenstadtgutachten.
Dabei wären die ersten Schritte oft erstaunlich einfach: Mehr Bäume und Schatten, bequeme Sitzgelegenheiten, saubere öffentliche Toiletten, attraktive Cafés, Wasserspiele und regelmäßige kleine Veranstaltungen. Ein lebendiger Wochenmarkt oder ein gemütlicher Marktplatz können mehr bewirken als die nächste Filiale einer austauschbaren Handelskette.
Gerade kleinere Städte dürfen dabei die Erreichbarkeit nicht vergessen. Wer Kunden aus den umliegenden Gemeinden gewinnen will, braucht vernünftige Parkmöglichkeiten und kurze Wege. Aufenthaltsqualität und gute Erreichbarkeit gehören zusammen.
Auch leerstehende Geschäfte müssen kein Dauerzustand sein. Pop-up-Stores, regionale Angebote und kreative Zwischennutzungen können wieder Leben in verwaiste Geschäftsstraßen bringen.
Dafür braucht es nicht immer Millioneninvestitionen. Oft reichen gute Ideen, engagierte Unternehmer, eine pragmatische Verwaltung und der politische Wille, Dinge tatsächlich umzusetzen.

Die Innenstadt der Zukunft ist kein Einkaufszentrum unter freiem Himmel. Sie ist das Wohnzimmer einer Stadt.
Und ein Wohnzimmer muss vor allem eines sein: ein Ort, an dem man sich wohlfühlt und gerne Zeit verbringt.
Denn wer sich wohlfühlt, bleibt länger. Und wer länger bleibt, kauft häufig auch etwas.

