Reiseserie Bergamo & Lombardei – Teil 03: Bergamos Città Bassa und die Accademia Carrara

Bergamo ist eine Stadt mit zwei deutlich unterschiedlichen Gesichtern.

Über der Ebene liegt die von venezianischen Mauern umgebene Città Alta. Darunter erstreckt sich die Città Bassa: elegant, lebendig und stärker vom 19. und 20. Jahrhundert geprägt.

Wer nach dem Besuch der mittelalterlichen Oberstadt hinunterfährt, entdeckt keine bloße Neustadt, sondern breite Straßenachsen, historische Vorstädte, gepflegte Geschäfte und italienische Cafés.

Mit der Accademia Carrara befindet sich hier außerdem eines der bedeutendsten Kunstmuseen Norditaliens.

Ein Reisebeitrag von Prof. Dr. Thorsten Krings – redaktionell bearbeitet und geprüft für TVüberregional.

Die elegante Unterstadt von Bergamo

Die Città Bassa bildet heute das wirtschaftliche und alltägliche Zentrum Bergamos.

Rund um Porta Nuova, den Sentierone und die angrenzenden Straßen zeigt sich eine Stadt, die großzügiger und geradliniger wirkt als die verwinkelte Oberstadt. Zwischen repräsentativen Gebäuden finden sich Modegeschäfte, Buchhandlungen, Delikatessenläden, Bars und Restaurants.

Besonders angenehm ist die Mischung aus bekannten Namen und inhabergeführten Geschäften.

Die Unterstadt wirkt modern, ohne ihre historischen Wurzeln zu verleugnen. Mehrere alte Borghi – frühere Siedlungen vor den Stadtmauern – sind längst mit Bergamo zusammengewachsen und haben dennoch ihren eigenen Charakter bewahrt.

Teil 03: Bergamos Città Bassa und die Accademia Carrara   
Die Città Bassa verbindet italienisches Stadtleben mit eleganter Architektur. Foto: © Thorsten Krings · TVüberregional.de

Einkaufen, Kaffee trinken und Bergamo beobachten

Wer Bergamo nicht nur besichtigen, sondern erleben möchte, sollte sich in der Unterstadt Zeit für einen Spaziergang ohne festes Programm nehmen.

Ein Espresso an der Bar, ein Blick in die Auslagen kleiner Geschäfte und eine Pause auf einer der belebten Straßen zeigen eine Seite der Stadt, die sich deutlich von den großen Besucherströmen der Città Alta unterscheidet.

Teil 03: Bergamos Città Bassa und die Accademia Carrara
Auch in der Unterstadt begegnen Besucher auf engem Raum Geschichte, Architektur und Alltag. Foto: © Thorsten Krings · TVüberregional.de

Ein Eistipp von Thorsten Krings

Zu einem italienischen Stadtbummel gehört für viele Besucher ein gutes Gelato.

Thorsten Krings empfiehlt die Gelateria La Romana, die seit 1947 für ihre Eisspezialitäten bekannt ist. In Bergamo befindet sich unter anderem eine Filiale in der Viale Giulio Cesare 16.

Die Empfehlung ist bewusst persönlich: Über das beste italienische Eis lässt sich bekanntlich hervorragend diskutieren – probieren darf jeder selbst.

Accademia Carrara – fünf Jahrhunderte italienische Kunst

Der kulturelle Höhepunkt der Città Bassa ist die Accademia Carrara. Ihre Sammlung führt vom späten Mittelalter und der Renaissance bis in das 19. Jahrhundert.

Zu den bekannten Künstlern gehören Pisanello, Andrea Mantegna, Giovanni Bellini, Raffael, Sandro Botticelli, Lorenzo Lotto und Giovan Battista Moroni.

Das Museum verdankt seine Entstehung dem Grafen Giacomo Carrara. Er vermachte seine Sammlung Ende des 18. Jahrhunderts der Stadt und verband sie zugleich mit einer Kunstschule.

Spätere Schenkungen erweiterten den Bestand. So entstand kein beliebig zusammengekauftes Museum, sondern eine Sammlung, die viel über die Geschichte des privaten Kunstsammelns in Italien erzählt.

Teil 03: Bergamos Città Bassa und die Accademia Carrara
Teil 03: Bergamos Città Bassa und die Accademia Carrara


Ponziano Loverinis Gemälde „La maledizione della madre“ in der Accademia Carrara. Foto: © Thorsten Krings · TVüberregional.de

Ein Museum ohne die Schwere alter Galerien

Von außen wirkt das neoklassizistische Gebäude zunächst zurückhaltend. Im Inneren überrascht die moderne Präsentation.

Der neu geordnete Rundgang führt in 16 Sälen durch die Dauerausstellung vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Dunkle Blau-, Grau- und Erdtöne lassen viele Gemälde besonders intensiv hervortreten.

Offene Sichtachsen verbinden die Räume und ermöglichen immer neue Blicke von einem Werk zum nächsten.

Auch empfindliche Objekte wie die berühmten Visconti-Sforza-Tarotkarten werden sorgfältig und zurückhaltend präsentiert.

Das Museum verzichtet darauf, die Besucher mit Informationen und Effekten zu überladen. Stattdessen gibt es den Kunstwerken Raum. Genau dadurch entsteht eine konzentrierte und beinahe persönliche Begegnung mit den Bildern.

Fallen Fruit verwandelt das Treppenhaus

Ein besonderer Kontrast erwartet die Besucher im Treppenhaus.

Das kalifornische Künstlerduo Fallen Fruit – David Allen Burns und Austin Young – verwandelte den Übergangsraum mit seiner Installation „Conversazioni sacre“ in eine farbintensive Welt aus Blumen, Früchten und weiteren Motiven.

Die Gestaltung greift Details aus Werken der Sammlung und aus der Umgebung Bergamos auf. Historische Kunst und zeitgenössische Gestaltung begegnen sich hier mit sichtbarer Freude.

Teil 03: Bergamos Città Bassa und die Accademia Carrara
„Conversazioni sacre“ von Fallen Fruit verwandelt das Treppenhaus in eine farbenprächtige Installation. Foto: © Thorsten Krings · TVüberregional.de

Warum die Città Bassa mehr als ein Durchgangsort ist

Viele Reisende fahren lediglich durch die Unterstadt, um möglichst schnell zur Seilbahn in die Città Alta zu gelangen.

Damit verpassen sie einen wichtigen Teil Bergamos. Die Città Bassa zeigt das heutige Leben der Stadt. Die Accademia Carrara verbindet dieses moderne Umfeld mit Jahrhunderten italienischer Kunstgeschichte.

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Im vierten Teil besuchen wir Borgo Santa Caterina – das romantische „Dorf in der Stadt“.




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